Die Energiebilanz
Unter Energiebilanz versteht man die Differenz zwischen Energiezufuhr (=Nahrung) und Energieverbrauch (=Grundumsatz
+ Leistungsumsatz + postprandiale und adaptative Thermogenese, weitere Faktoren wären Wachstum, Schwangerschaft und Stillperiode)
Positive Energiebilanz
Energiezufuhr größer als Energieverbrauch bzw. Energieverbrauch kleiner als Energiezufuhr. Überschüssige Energie fällt an, welche im Intermediärstoffwechsel nicht verbraucht wurde.Dem Organismus bleibt nichts anderes übrig, als diesen überflüssigen Energieüberschuss, der sich nicht in Luft auflösen kann, zu speichern - und das geht nur in Form von Fett.
Negative Energiebilanz
Energiezufuhr ist geringer als Energieverbrauch bzw. Energieverbrauch ist größer als Energiezufuhr. Dieses Energiedefizit kompensiert der Organismus, der seinen Bedarf decken muss (!), durch Energiemobilisation aus dem Fettgewebe (klassischer Energiespeicher). Stichwort: "Fettabbau"
Ausgeglichene Energiebilanz
Energieverbrauch und Energiezufuhr halten sich die Waage, somit bleibt auch der Körperfettanteil konstant.
Jeder Stoffwechselschritt,
jeder Syntheseschritt geht in die Energiebilanz als
energieverbrauchender Prozess ein. |
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etwas genauer:
Die Energiebilanz ist nur dann als positiv zu werten, wenn mehr Energie zugeführt, als im Intermediärstoffwechsel verbraucht wird,
oder weniger Energie umgesetzt als zugeführt wird. Jede Kalorie, die nicht energetisch verwertet wird, z.B. in der Muskelzelle bei der Umwandlung von chemischer (ATP) in mechanische Energie, oder beim Aufbau von Glykogen aus Glukose, oder als Wärme frei wird, wandert in Form von Triglyceriden in die dafür vorhergesehenen Depots, sprich ins Fettgewebe (viszeral und subkutan). Es gibt biochemisch keine andere Möglichkeit!
Umgekehrt bedeutet eine negative Energiebilanz, dass die "fehlenden", aber im Intermediärstoffwechsel benötigten Kalorien aus dem Fettgewebe mobilisiert werden und somit der Körperfettanteil sinkt (Lipolyse größer als Lipogenese)
Stichwort: Fett
Fette gelangen rund um die Uhr ins Fettgewebe und parallel dazu werden Fette aus dem Fettgewebe mobilisiert. Lipogenese (=Synthese von Fett) und Lipolyse (=Fettabbau) laufen rund um die Uhr parallel ab. Ob nun letztlich unterm Strich mehr, weniger, oder gleich viel Fett im Fettgewebe bleibt, entscheidet die Energiebilanz.
Wichtig! Die Energiebilanz entscheidet nur über unseren Körperfettgehalt! Hierzu sei erwähnt, dass das einzig entscheidende Kriterium für eine Reduktion des Körperfettanteils eine negative Energiebilanz ist, unabhängig von dem was man isst, wann man isst und wie oft man isst!
Stichwort: Glykogen
Die Glykogenspeicherung in Leber und v.a. Muskulatur ist ein normaler Weg im Intermediärstoffwechsel, der mit einer positiven Energiebilanz nichts zu tun hat, da es sich hierbei um ein Wiederauffüllen eines limitierten Energiespeichers handelt, welcher für die Aufrechterhaltung des Blutzuckers (=Leberglykogen) und für intensivere Ausdauerbelastungen (=Muskelglykogen) notwendig ist. Fazit: Ein Mehr an gespeichertem Glykogen hat nichts mit einer positiven Energiebilanz zu tun, sondern bedeutet lediglich, dass man einen größeren Energiespeicher zur Verfügung hat.
Umgekehrt ist eine "Entleerung" bzw. der Verbrauch von Glykogen, (bei intensiver oder langer extensiver muskulärer Belastung) nicht als negative Energiebilanz zu werten.
Auch ein Aufbau von Muskelgewebe im Falle einer positiven *Stickstoffbilanz bedeutet ebenso wenig, dass die Energiebilanz im plus ist, denn auch diese Synthese geht in die Energiebilanz ein, wobei es letztlich egal ist, ob diese ausgeglichen oder positiv ist. Muskelmasse kann man immer aufbauen, wenn ein entsprechender Trainingsreiz gegeben ist -selbst bei einer negativen Energiebilanz (außer die Einschränkung der Energiezufuhr wird übertrieben [Hungerkuren, Fastenkuren, Diäten]). Also ist die positive Energiebilanz im thermodynamischen Sinn, von einer Körpergewebssynthese (die von der Energiebilanz grundsätzlich unabhängig ist) auseinanderzuhalten!
Fazit:: Für einen Aufbau von Muskelmasse braucht es keine positive Energiebilanz sondern eine positive *Stickstoffbilanz und diese wird wiederum durch einen entsprechend intensiven Trainingsreiz induziert, welche unabhängig von der Energiebilanz positiv sein kann.
Ein Abbau von Muskelmasse ist nicht als negative Energiebilanz zu werten, sondern bedeutet eine negative *Stickstoffbilanz.
Ergänzung, da oft missverstanden:
Muskelgewebe ist keine gespeicherte Energie!
Muskelgewebe dient nicht der Energiegewinnung!
Muskelgewebe ist Bausubstanz!
*Stickstoffbilanz (kurze Erklärung)
Der Körper baut täglich Körperprotein auf und ab. Einen Teil seines Proteinbedarfs deckt er über seine Abbauprodukte, die er einfach wieder in Aminosäuren aufspaltet und wiederverwertet, während ein Teil davon ausgeschieden wird und daher ersetzt werden muss.
Nimmt man mehr Stickstoff auf als man verliert, befindet man sich in einer positiven Stickstoffbilanz (=anabole Stoffwechsellage), wenn mehr Stickstoff ausgeschieden als aufgenommen wird befindet man sich in einer negativen Stickstoffbilanz (=katabole Stoffwechsellage). Entscheidend ist aber, dass eine massive Zufuhr von Protein keinen Aufbau bewirkt, während die zu geringe Zufuhr in jedem Fall einen Abbau nach sich zieht. Es gilt letztlich nur den Bedarf zu decken, um eine positive Stickstoffbilanz zu erreichen. Selbst bei intensivstem Training ist eine tägliche Proteinzufuhr von 1,5 - 1,8g Protein pro kg Körpergewicht völlig ausreichend. |